Ilse Reicke - Ehe mit Hans von Hülsen, Kinder, Weimarer Republik
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Ilse mit Hans von Hülsen
 
Ilse und Hans in Berlin, 1913

Ilse Reicke: ihre Ehe mit Hans von Hülsen, die Kinder, Weimarer Republik

Über den Anfang der Ehe wissen wir wenig, Ilse hat darüber kaum gesprochen. Zur Verlobung wurde damals kein Schloss an ein Brücken-Gitter gehängt und der Schlüssel im Fluss versenkt; stattdessen hat man seine Initialen oben auf der Siegessäule in die Wand geritzt - auch ganz romantisch.

Ilse und Hans hatten drei Töchter, die 1918, 1920 und 1926 geboren wurden. So kannte Ilse auch das Leben der Hausfrau und Mutter aus eigenem Erleben; sie war aber nie "nur Hausfrau und Mutter", sie hatte allermeist ein Hilfe für die Betreuung der Kinder und konnte ihren schriftstellerischen und politischen Tätigkeiten zumindest in einem gewissen Umfang nachgehen.

Mit dem Ende des ersten Weltkrieges und der Gründung der Weimarer Republik bekamen die Frauen das Wahlrecht; das war für Ilse, die schon vorher die englischen Suffragetten bewundert hat, ein großes Ereignis. Dass die schweizer Frauen so spät - aber doch immer noch zu ihren Lebzeiten, fast vollständig - das Wahlrecht bekamen, hat sie lange bedrückt.

Ilse hat sich immer für die Rechte der Frauen eingesetzt. Vielleicht war der Internationale Frauen-Kongress in Berlin 1904 ein Auslöser; sie war da 11 Jahre alt. Im Jahr 1925 fand in Washington ein Weltfrauen-Kongress statt, an dem sie als Berichterstatterin der "Kölnischen Zeitung" teilnahm. Das war seinerzeit natürlich eine Schiffs-Reise; auf dieser Reise hat sie sicher auch die anderen Teilnehmerinnen aus Deutschland ganz gut kennengelernt. In ihrem Buch "Die großen Frauen der Weimarer Republik" berichtet sie davon. Die Bekanntschaften dieser Reise waren sicher ein wichtiger Grund, dass sie dieses Buch schreiben konnte, das 1984 erschien.

Wahlkampf mit Postkarten: Ilse mit ihren beiden "großen" Töchtern, 1924
Ilse mit ihren drei Töchtern; etwa 1930. Um diese Zeit lebte sie schon getrennt von Hans von Hülsen, die jurisitische Scheidung war erst 1935.

Ilse hat zumindest einmal für den Reichstag kandidiert; durch die Wahlkampf-Postkarte wissen wir, dass sie Kandidatin für die Deutsche Demokratische Partei (DDP) in Ostpreußen war; sie wurde aber nicht gewählt. In der DDP waren auch Theodor Heuss und Friedrich Naumann, von denen sie oft mit Hochachtung sprach. Ob sie bei den spätern Wahlen (1928, 1930, 1932 und 1933) auch kandidiert hat, wissen wir nicht. Sie hat erzählt, dass ihre Wahl-Veranstaltungen von Nazis gestört wurden. Ob das schon 1924 war, oder erst später? Es bleibt offen, bis es jemand besser recherchieren kann.

Ilse und ihr Mann waren befreundet mit Gerhart Hauptmann sowie dessen Bruder Carl und dessen Frau Martha. Als die Ehe von Ilse um 1930 auseinanderging, hielt ihr Mann mehr den Kontakt zu Gerhart, Ilse den Kontakt zu Margartete Hauptmann und besonders zu Carl Hauptmanns erster Frau Martha. Über deren Leben von Martha schrieb sie zu deren Tod im Januar 1939 einen Nachruf in der Zeitschrift "Die Frau" (PDF). Diesen Nachrauf hat sie später etwas umgearbeitet auch in den Ostdeutschen Monatsheften veröffentlicht (PDF). Von beiden Artikeln (oder war es das Manuskript?) fand ich Kopien, die ich abgeschrieben habe. Auch der Vergleich der beiden Versionen ist interessant.

Wenig überraschend, dass der Tod von Martha Hauptmann sie auch zu einem Gedicht inspirierte; davon fand ich auf den Kopien nur den Anfang:

 Ilse Reicke, Martha Hauptmann
 
Ihr schönen Schwestern mit den dunklen Blicken, 
Im Hohenhaus, das Bischofs-Stolz erbaut, 
Am hellen Hang, von dem die Reben nicken 
Zum Elbstromtal, das weit zur Ferne blaut— 
Wohl reift der Pfirsich unterm roten Laube 
Durch goldnen Herbst, — im blauen Frühlingsraum 
Erschließt sein Doppelblatt der Gingobaum 
Und Jugend wächst und junger Lebensglaube,—
 
Der Vater hält des Daseins Glanz und Fülle 
Für Euch bereit in seiner starken Hand. 
Früh ging die Mutter, deren Erdenhülle 
An eines siebten Kindleins Wiege stand -: 
Ihr schönen Schwestern, drei von Euch begegnet 
In dreier Brüder blonder Wohlgestalt 
Das Schicksal früh, — und zärtlichste Gewalt 
Spricht: dass nur Ihr die Sonnenwandrer segnet!
 
Sie segnet auf dem Pfad zu hoher Ferne, 
Die noch kein Blick erschaut, kein Fuß erschloss, 
Ihr werdet dreier Brüder Schicksalssterne

--- Fortsetzung fehlt ---
-- vermutlich aus einem Buch (Seite 161 bis 176) zu Martha Hauptmann
 

Das bleibt noch weiter zu erforschen.

Erstellt von Matthias Engelhardt
Mail an Matthias Engelhardt
 
Stand: 2018-03-03
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